Lenten Veil in the Christ-König Church in Krumpendorf

 The exhibition 'Lenten-Easter-Unfold' is organized by the Christ-König church Krumpendorf am Wörthersee. It consists of two parts. The first part shows a Lenten Veil for the church during the ritual fasting season. The second part of the exhibition starts on the Easter Sunday, which shows the works related to the theme of Easter as well as the personal works of Sung Min Kim. The works on the theme of Easter will be created in collective effort with the community of Krumpendorf am Wörthersee. 

The following is the german text about the Lenten veil.

 

 

Fastentuch 2020 für die röm.-kath. Pfarrkirche Krumpendorf am Wörthersee

Aschermittwoch, 26. Feber bis Karsamstag, 11. April 2020

Artist’s Note

Vor zwei Wochen habe ich das Bild fertig gemalt. Bei diesem Bild ist der Prozess im Vergleich zu früheren Bildern leicht gegangen, weil ich das Vertrauen gehabt habe, dass mich eine große Kraft dabei leitet – statt dass ich aus eigener Leistung und Ehrgeiz heraus daran arbeiten müsste. Deshalb ist der Malprozess vielleicht dieses Mal leichter gegangen.

Überhaupt bin ich dankbar, dass sich das Bild dafür entschieden hat rechtzeitig fertig zu werden. Denn nicht ich als Künstlerin entscheide, wann das Bild fertig ist – sondern das Bild selbst entscheidet aus seinem eigenen Leben und Willen heraus, wann es aufhören will.

Dieser Wunsch, dass ich ein Fastentuch erschaffe, ist bei mir abrupt aufgetaucht. Anfangs hatte ich noch nicht daran gedacht, als ich von Herrn Pfarrer Hans Peter Premur die Einladung erhielt, in der Kirche eine Ausstellung zu machen. Ursprünglich hatte ich nur die Vorstellung, dass diese Ausstellung aus meinen eigenen Bildern bestehen würde. Aber plötzlich nahm die Idee von mir Besitz, dass ich ein Fastentuch malen möchte. Zum Glück war Herr Pfarrer Premur dafür offen, dass ein Fastentuch in der Kirche aufgehängt wird. Zusätzlich stellte er mir das Projekt „Krumpendorf - ein Dorf fastet“ vor – und ich war dann noch mehr begeistert, weil dieses Fastentuch in die richtige Atmosphäre gestellt werden könnte und dadurch in einem größeren Kontext stehen würde.

Letzten Oktober habe ich die Kirche für die konkrete Planung der Ausstellung besucht. Nachdem berechnet worden war, wie riesig das Fastentuch sein sollte, hatte ich innerlich etwas gezögert und war besorgt, weil ich noch nie ein Bild mit derartigen Dimensionen gemalt habe. Auch war es ein Problem, wie ich ein so großes Werk in meinem kleinen Arbeitsraum überhaupt malen könnte. Aber ich fühlte mich dazu verpflichtet, dieses Fastentuch zu realisieren. Da dieses Vorhaben bereits in meinem Herzen eingeprägt war, musste ich es auch hervorbringen. Ich hatte keine Wahl.

In dieser Phase hatte ich noch keinerlei konkrete Vorstellung, wie das Fastentuch aussehen könnte. Nach der Besichtigung der Kirche, bei einem Spaziergang am Wörthersee, hatte Herr Pfarrer Premur von der Legende erzählt, wie der Wörthersee entstanden ist. Ich habe erfahren, dass die Sage von der Entstehung des Wörthersees etwas Tiefes über das Vorherrschen von materiellem Überfluss sagt. Durch diese Legende ist mir die Vorstellung des Wassers für das Bild gekommen: Wasser, das von oben nach unten zischend fließt und herabstürzt.

Das Thema Wasserfall habe ich in meiner Malerei schon oft behandelt, wie z.B. in einem Bild, in dem ein riesiger Schwarm roter Schmetterlinge über einen Wasserfall fliegt. Überhaupt symbolisiert das Wasser Reinigung und die Quelle des Lebens.

Während der Vorbereitungszeit ist zusätzlich zum Motiv Wasser ein anderes Motiv aus meiner Erinnerung auf der Oberfläche des Bewusstseins aufgetaucht. Als ich vor einiger Zeit eine innere Krise erlebt habe, ist diese Figur in einer großen Dimension vor meinem inneren Auge aufgetaucht. Ich habe diese Figur als zwei Wesen gesehen, die miteinander ringen, aber gleichzeitig wie ein Wesen ineinander verschlungen sind. Damals habe ich sie so interpretiert: Ich selbst erfahre mich in dieser Figur gleichzeitig nach unten stürzend, beobachtend, und ebenso nach oben erhebend. Ich habe zuerst das stürzende Ich erlebt, aber zugleich habe ich erfahren, das noch ein anderes Wesen als Gegenpol sogar in einer solchen Situation existiert, das mich mit sanfter Hand erhebt und mich mit einem Blick voller Mitleid behütet. Diese Figur, die in meinem Herzen eingeprägt ist, musste länger als ein Jahr in meiner Erinnerung bleiben. Sie blieb nicht die ganze Zeit versteckt, sondern tauchte in meinem Erinnerungsraum immer wieder auf. Zum Beispiel in einer Situation, in der ich bei nebligem Wetter in einer steilen Klamm inmitten eines wuchtigen Wasserfalls plötzlich ein gelbes Blatt herabfallen und ins Wasser trudeln sah.

Aber ich war wenig motiviert, diese Figur im Bildraum nur auf einer individuellen Ebene zu realisieren, weil sie in derart riesigen Dimensionen dargestellt werden sollte. Ich fand nicht den richtigen Kontext für diese große Figur – meine Bilder sind zwar groß, aber nicht derart riesig. Die  richtige Motivation und die richtigen Bedingungen dafür waren nicht vorhanden, um ein so riesiges Werk nur für mich selbst zu beginnen.

Diese unterdrückte Figur ist während der Vorbereitungszeit des Fastentuchs auf der Oberfläche aufgetaucht. Die Fastenzeit erinnert ja an Jesus, der in die Wüste geführt wurde und dort gekämpft hat, bevor er öffentlich aufgetreten ist. Deshalb habe ich gedacht, dass die Figur der zwei kämpfenden Wesen, die ich während meiner inneren Krise gesehen hatte, ein passendes Thema für die Fastenzeit wäre, auch wenn sie auf der persönlichen Ebene entstanden ist. Es entwickelte sich in mir die Überzeugung, dass ich den inneren geistigen Kampf – so wie im Fall Jesu in der Wüste - auf dem Fastentuch darstellen könnte.

Durch den Kontext des Fastentuchs konnte diese Figur von der persönlichen Ebene auf eine breitere, allgemeine Ebene transponiert werden. Ich konnte diesen persönlichen, inneren Kampf mit dem Kampf zwischen Michael und Luzifer in der christlichen Tradition in Beziehung setzen. Und ebenso mit der allgemeinen Ebene des Kampfs zwischen zwei Polen, der immer stattfindet, bevor etwas Wichtiges entsteht. Vielleicht können wir einen solchen Kampf auch in der gegenwärtigen Krisensituation, mit der die Erde und die Menschheit konfrontiert ist, erkennen.

Mit Leidenschaft sehnen wir uns danach, dass wir von der sanften Hand geführt und erhoben werden, damit wir nicht abstürzen. Mit diesem Gebet habe ich diese Aufgabe durchgeführt. Es war, als ob mich die behütende und behutsame Hand dabei geleitet hätte, so dass ich durch diesen Mal-Prozess ohne abzustürzen und in Sicherheit gereist bin. Ich bin sehr froh, dass ich rechtzeitig zum versprochenen Zeitpunkt wieder von dieser Reise zurückgekommen bin.

Wien, 24. Februar 2020

Sung Min Kim